„Das ist was ganz besonderes, unseren Glauben frei, ohne Ängste, ohne Sorgen feiern zu können“

Mai 20, 2018 | Blog 2018, Emanuela´s Pfingstblog 2018

Stell dir vor, Du lebst in einem Land, das dir vorschreibt, wie Du dich zu verhalten hast, was Du denken sollst und was Du glauben darfst oder was nicht. Wenn Du dich widersetzt, droht dir Gefängnis und im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Manchen gelingt die Flucht – so wie den ca. 40 Flüchtlingen, die beim Fest der Jugend dabei sind und im „Männer für Alles“ – Team helfen.

Sie kommen aus dem Iran, Irak, Afghanistan und Syrien, sind meist 18-28 Jahre alt und haben eins gemeinsam – sie flohen aus ihrer Heimat um in Freiheit und in Sicherheit leben zu können und um den Glauben ihrer Wahl ausüben zu können.

Es ist für mich ein Privileg, dass sich Hamid und Abduhl, beide seit einiger Zeit in Österreich, bereit erklärt haben, mir ein Interview zu geben. Selbstverständlich ist das nicht: die meisten sagten ab, da sie sich davor fürchten, ihre Identität preiszugeben. Man glaubt es kaum, aber es sind geheime Spitzel im Auftrag der Regierungen ihrer Heimaten unterwegs um sie ausfindig zu machen und sie zu töten. Ihr Verbrechen: Sie sind zum Christentum übergetreten und haben sich taufen gelassen. Aus diesem Grund haben wir auch keine Fotos von ihnen gemacht und ihre Namen geändert.

Hier ein Ausschnitt des Interviews:

Hamid und Abduhl, was sind eure Aufgaben am Fest der Jugend?

Wir sind „Männer für Alles“ und helfen überall, besonders beim Auf,- und Abbau, das heisst das Zelt vor dem Dom aufbauen, im Dom die Bühne für das Musical, die Monitore und Lichter montieren, Teppiche legen,…

Heute habe ich (Hamid) auch eine Fürbitte bei der Hl. Messe gehalten.

Was spricht euch hier am meisten an? Was gefällt euch am besten?

Weißt Du, das hier ist ganz besonders für Flüchtlinge weil in ihrer Heimat können sie nicht einfach über ihren christlichen Glauben sprechen, ihn nicht feiern und ihn nicht frei ausleben. Das ist was ganz besonderes, ihn ohne Angst, ohne Sorgen zu feiern, alles … Vielleicht ist das für andere Leute normal, aber für uns ist es ein großes Wunder von Gott, wirklich. Wir haben nie gedacht, dass wir eines Tages frei, ohne Ängste sagen können: „Jesus, Hl. Geist, wir lieben dich!“ Wirklich, jede Sekunde dieses Festes ist für uns wunderbar. Ich kann´s kaum erwarten wenn wir dann die Festung rauf gehen und für die Stadt beten. Das ist ein großes Geschenk von Gott.

„Wir haben nie gedacht, dass wir eines Tages frei, ohne Ängste sagen können: „Jesus, Hl. Geist, wir lieben dich!“

Hamid, wie hast du zu Jesus gefunden?

Ich hatte in meiner Heimat eine hohe Position und habe Leuten Genehmigungen erteilt. Eines Tages kamen 2 Christen und ein Jude, die um Genehmigungen ansuchten und ich gab sie ihnen. Daraufhin bekam ich einen Anruf vom Geheimdienst, der mich aufforderte, die Verträge zurück zu ziehen weil die Kunden keine Moslems waren. Ich weigerte mich, da es dafür kein Gesetz gibt. Etwas später wurde ich vom Geheimdienst verhaftet, da sie annahmen, ich sei Christ geworden. Ich gab ihnen zur Antwort: „Nein, ich habe nur meinen Job getan. Die Kunden zahlen viel Geld und es gibt kein Gesetz, das es ihnen verbieten würde aufgrund ihrer Religion.“ Ich verbrachte einige Zeit in Einzelhaft, in einer 3 qm Zelle. Nachdem ich wieder frei war, wurde ich gefeuert. Ich hatte immer viele Freunde, aber nach diesem Vorfall wollten sie keinen Kontakt mehr mit mir haben.

„Die einzigen die mir halfen, waren die 2 Christen und der Jude. Sie sagten: „Egal was du brauchst, wir helfen dir und schützen deine Familie.“

Die einzigen, die mir halfen, waren die 2 Christen und der Jude. Sie sagten: „Du bekommst diese Probleme wegen uns. Egal was du brauchst, wir helfen dir und schützen deine Familie.“ Einer von den Christen hat mir eine Bibel in Farsi gegeben mit den Worten: „Lies einfach! Immer wenn du traurig bist, lies einfach.“ Das 2. Mal wurde ich verhaftet weil ich Studenten, die zum Christentum übertreten wollten, half. Ich war dann wieder im Gefängnis und kam durch eine Kaution frei. Danach bin ich geflüchtet. Ich hatte keine andere Wahl!

„Viele Studenten und Studentinnen in meiner Heimat wollen Christen sein, aber der Geheimdienst verhaftet viele.“

Hamid, Abduhl und die anderen kamen meist über Bekannte zu Loretto. Einige Mitarbeiter starteten einen Kurs für sie, wo sie mehr übers Christentum erfahren und Fragen stellen können.

Die meisten warten noch auf einen positiven Asylbescheid – so wie meine beiden Interviewpartner. Hamid hat noch nicht einmal einen Termin für ein Interview bekommen, obwohl er bereits länger in Österreich ist. Hamid dazu: „Ich bin ganz sicher: Jesus wird uns weiter helfen. Ich mache mir keine Sorgen.“

Hamid bereitet sich seit einem Jahr auf die Aufnahme in die katholische Kirche vor, die bald stattfinden wird.

Bis morgen!

Deine Emanuela

 


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