Frauenpower beim Fest der Jugend!

Jun 10, 2019 | Blog 2019

Frauenpower beim Fest der Jugend

Sie leiten das Kamerateam, die Dombuchhandlung oder schreiben Musicals. Die Rede ist von drei Frauen verschiedenen Alters, die in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig sind und doch eine Gemeinsamkeit haben: die Leitung von wesentlichen Säulen des Pfingstfestes.

Von Emanuela Sutter

Judith Gfrerer, 20, künstlerische Leitung des Musicals

Wie ist es dazu gekommen, dass du die Hauptverantwortung für das Musical hast?

Ich habe bereits die letzten drei Jahre in den Musicals der Pfingstjugendtreffen mitgespielt. Mein Bruder hat immer das Skript geschrieben. Dieses Jahr hat er die Aufgabe an mich abgegeben.

Welche Aufgaben beinhaltet dein Job?

Wir haben uns im Team die Aufgabenbereiche aufgeteilt. Ich habe das Skript geschrieben und die Proben geleitet. Darüber hinaus habe ich die Schauspieler ausgesucht.

Was machst du, wenn du gerade nicht für das Pfingstfest arbeitest?

Ich war ein Jahr im Ausland, wo ich eine Jüngerschaftsschule gemacht habe. Jetzt bin ich ehrenamtliche Mitarbeiterin im HOME und helfe überall, wo ich gebraucht werden, z.B. in der Suppenküche, im Gebetshaus. Ich gebe auch Gitarrenunterricht und spiele mit meiner Band bei den „Sunday Morning“ Gottesdiensten. Das ist total meins, da gehe ich voll auf! Im September möchte ich beginnen zu studieren. 

Gibt es Momente, in denen du an dir selber zweifelst und ob du dieser Aufgabe gewachsen bist?

Ja, vor allem ganz am Anfang, als es das Skript noch nicht gab. Da war ich gestresst. Man spürt schon Druck, da man eine Geschichte ausdenken soll, die ganz neu ist, die es vorher noch nicht gab und die gut ist. Das war die größte Herausforderung. Manchmal war es ein schmaler Grad zwischen zu perfektionistisch sein und das Beste aus den Schauspielern heraus zu holen. Wir waren aber sehr getragen von dem vielen Gebet für uns.

Hast du dich im Kontext der Kirche schon einmal benachteiligt gefühlt, weil du eine Frau bist?

Nein, ganz im Gegenteil! Ich fühle mich bei Loretto total angenommen und ich kann meine Talente und Fähigkeiten einbringen und die werden auch geschätzt. Es gibt hier so eine Sensibilität für das Individuum, du wirst als Einzelner gesehen. Es gibt auch eine große Kultur der Wertschätzung, wo auch kleine Aufgaben geehrt werden.

Welchen Tipp würdest du jungen Leuten geben, die in Leiterschaft wachsen wollen?

Das erste ist, dass man eine Beziehung mit Gott hat und die lebt. Dadurch lernt man sich selber besser kennen und man wird sicher in seiner Identität. Umso sicherer man in dieser Identität steht, desto besser kann man leiten, weil man weiß, wer man ist und wie man ist.

Gibt es etwas Spezielles, was du jungen Frauen in Verantwortungspositionen raten würdest?

Ich denke, dass sich Mädels oft denken, dass die Burschen besser leiten können. Wenn die Mädels aber wissen, wer sie sind und welche Autorität sie haben als Töchter Gottes, können sie voll sicher in Leiterschaft stehen.

 

Angelika Hirschenberger, 35, Leiterin der Dombuchhandlung

Wie ist es dazu gekommen, dass du die Dombuchhandlung leitest?

Das war Führung von Gott, denn eigentlich habe ich das überhaupt nicht vorgehabt, da mein Mann und ich in der Steiermark leben und arbeiten. Letzten Sommer habe ich eher zufällig eine Leiterschaftsschulung im HOME Salzburg gemacht und da hat mir Gott im Gebet ganz klar gezeigt, dass ich nach Salzburg kommen soll. Das war sehr vage, aber zurück zu Hause in einer Gebetszeit hat Gott zu mir gesprochen, dass ich die Dombuchhandlung übernehmen soll. Etwas später bin ich für ein Gespräch nach Salzburg gefahren, habe aber absichtlich nichts von der Dombuchhandlung erwähnt. Das war für mich ein Prüfstein, ob die ganze Sache wirklich von Gott ist oder doch meine eigenen Gedanken. Bei dem Treffen wurde mir vorgeschlagen, die Buchhandlung zu leiten.

Was war davor dein Beruf?

Ich war Försterin, habe dann Religionspädagogik studiert für die Pflichtschule und als Religionslehrerin gearbeitet. Dazwischen war ich für sechs Jahre Jugendregionalreferentin der Südost-Steiermark in der Diözese Graz-Seckau. Darüber hinaus schließe ich demnächst mein Master-Studium für angewandte Ethik ab.

Welche Aufgaben beinhaltet dein Job?

Im Prinzip bin ich verantwortlich für das gesamte Tagesgeschehen. Dazu gehört zum Beispiel die Personalführung und Einteilung, die Planung des gesamten Sortiments, Einschulungen. Man kann sagen, ich habe den Überblick über alles, was mit dem Geschäft zu tun hat. In meinen Bereich fällt auch die Planung der Veranstaltungen, z.B. haben wir einmal im Monat das „Erwachsenen-Kinder Café“. Da wird ein Kinderbuch vorgelesen und ein Erwachsenenbuch vorgestellt und ein Spiel für die Kinder vorbereitet. Geplant ist auch ein „Bibel Lettering“ Workshop.

Gibt es Momente, in denen du an dir selber zweifelst und ob du dieser Aufgabe gewachsen bist?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich der Aufgabe nicht gewachsen bin, aber in der Bibel steht, dass Gott im Schwachen groß ist und das glaube ich. Mein Lebensziel ist, dass Gott durch mich scheinen kann. Er gibt uns grundsätzlich viel zu große Aufgaben und fordert uns heraus. Das kann man bei Petrus sehen, der als einfacher Fischer der erste Papst und Leiter der Kirche wurde. Gott lässt uns da aber nicht alleine, sondern gibt in Fülle seinen Teil dazu. Darum fühle ich mich eigentlich überhaupt nicht überfordert, sondern mir macht die Aufgabe riesengroßen Spaß und ich fühle mich am richtigen Platz. Es vergeht fast kein einziger Tag, wo wir als Team nicht ein kleines Wunder und Gottes Führung erleben.

Hast du dich im Kontext der Kirche schon einmal benachteiligt gefühlt, weil du eine Frau bist?

Ich denke, dass sich Frauen grundsätzlich sehr entfalten können in der Kirche. Jede große Struktur, egal ob weltlich oder kirchlich, die über viele Jahrhunderte gewachsen ist, verändert sich nur ganz langsam und hat auch eine Geschichte, warum Dinge so sind, wie sie sind. In der Kirche hatten wichtige Leiterpositionen immer Priester inne und das ist logischerweise mit Mann-sein verbunden. Hier ändert sich gerade viel, auch aufgrund des Priestermangels. Das ist nicht im Sinne von Frauenfeindlichkeit, sondern aus Geschichte und Struktur so gewachsen. Aber diese Sichtweise wandelt sich langsam. Ich habe mich zweimal konkret benachteiligt gefühlt.

Welchen Tipp würdest du jungen Leuten geben, die in Leiterschaft wachsen wollen?

Ich denke, dass wichtigste ist, das man als Leiter oder Leiterin eine gefestigte Persönlichkeit hat. Um eine gute Leitungsperson zu sein muss man wissen, wer man ist und für was man steht. Das sollte man bei vielen kleinen Gelegenheiten einüben, auch da, wo einen niemand sieht. Wenn man das kann und wenn man sich seiner Werte bewusst ist, entsteht daraus reife Leiterschaft. Klar kann man Leiterschaftsworkshops belegen, doch das wichtigste ist die gefestigte Persönlichkeit, dafür steht die Loretto Gemeinschaft.

Gibt es etwas Spezielles, was du jungen Frauen in Verantwortungspositionen raten würdest?

Dass junge Frauen sich bewusst werden, was Weiblichkeit wirklich ist. Weiblichkeit ist kein fix fertiges Konstrukt. Jede Frau kann ihre eigene Weiblichkeit finden und die ist gut so, wie sie ist. Dieses Thema sollte eigentlich vor der Leiterschaft grundgelegt werden.

Maria Gręda, 24, Chefkamerafrau für den Livestream

Wie ist es dazu gekommen, dass du Chefkamerafrau wurdest?

2016 habe ich die Jüngerschaftsschule im HOME gemacht und wurde gefragt, ob ich beim Christkönig-Festival eine Kamera bedienen könnte. So bin ich in das Team gekommen. Davor habe ich in Bayern Medientechnik studiert und viele Praktika beim Fernsehen gemacht und bei diversen Festivals gefilmt, weil ich schon immer begeistert war von Medien und Film. Jetzt bin ich Vollzeit-Missionarin im HOME mit dem Schwerpunkt beim Medienhaus.

Welche Aufgaben beinhaltet dein Job?

Ich bin selber an der Kamera in der Abendschicht und bin dafür zuständig, dass alle Kameraleute alles haben, was sie brauchen. Ich habe sie auch eingewiesen, weil der Großteil Laien sind. Wir veranstalteten ein Teamwochenende, da wurden sie eingeschult. Insgesamt habe ich die Hauptverantwortung für 11 Kameras.

Gibt es Momente, in denen du an dir selber zweifelst und ob du dieser Aufgabe gewachsen bist?

Ja, letztes Jahr zu Pfingsten bin ich sehr an meine Grenzen gestoßen und wurde sehr mit meinen Schwächen konfrontiert. Ich hatte das Gefühl, ich muss immer die Kontrolle behalten, weil ich verantwortlich bin für das Ganze. Wenn etwas passiert, fällt es auch mich zurück. Dann sind jedoch wirklich einige Dinge schiefgelaufen. Dadurch habe ich aber viel gelernt, zum Beispiel, dass ich mich nicht auf meine Stärke verlassen muss und dass ich nicht alles kontrollieren muss. Ich habe den Herrn und je mehr ich im Raum gebe, desto ruhiger werde ich. Gestern nach der Messe hatte ich den Moment: „Ich kann nicht mehr!“ Ich habe aber gemerkt, dass ich loslassen kann und dass da wer ist, der mich führt. Auch habe ich ein sehr starkes Team hinter mir!

Hast du dich im Kontext der Kirche schon einmal benachteiligt gefühlt, weil du eine Frau bist?

Nein, niemals! Ich fühle mich bei Loretto total gewertschätzt. Ich als Frau kann ganz anders dienen als ein Mann und ich finde es schön, wie wir uns ergänzen. Ich muss nicht das können, was ein Mann kann, und andersrum auch nicht.

Welchen Tipp würdest du jungen Leuten geben, die in Leiterschaft wachsen wollen?

Im Young Leaders – Track wird gesagt: „Know yourself to lead yourself” (“Kenne dich selber, um andere zu leiten”). Ich habe das wirklich so erfahren. Je besser ich meine Schwächen kenne, je besser ich weiß, wie ich ticke, was mir gerade fehlt, warum ich z.B. gerade emotional überreagiere, desto leichter fällt es mir, gut zu leiten. Es ist z.B. gut, dass ich weiß, dass ich jetzt gerade Schlaf brauche, oder eine Umarmung oder dass ich Schwäche zulassen kann.

Ich kann auch besser leiten, wenn ich die Personen aus meinem Team liebe. Damit meine ich, dass ich erkenne, was die Person vor mir gerade braucht, was ich ihr geben kann. Was braucht die Person, um besser dienen zu können? Was würde ich mir von einem Leiter wünschen, wenn ich in ihrer Position wäre? Auch muss die Balance zwischen Prozess-Orientierung und Menschen-Orientierung vorhanden sein.

Gibt es etwas Spezielles, was du jungen Frauen in Verantwortungspositionen raten würdest?

Traut euch, verletzlich zu sein! Das heißt, dass ich transparent bin. Dass ich meine Fehler zugebe und mich entschuldige. Verletzlich zu sein, z.B. Schwäche zugeben oder meine Unwissenheit, baut Beziehung. Das Team kann auch besser arbeiten, weil klar kommuniziert wird.


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